FORSCHUNGSPROJEKT: „WIE VERÄNDERT DIGITALISIERUNG DIE ARBEITSWELT?"

Je stärker (teil-) autonome Systeme die Fertigungsprozesse steuern, wenn nicht gar übernehmen, desto intensiver müssen Mitarbeiter über Organisationskompetenz verfügen. Der Grund: Wenn klassische Hierarchien wegfallen und Prozesse sich agil wandeln, muss der Mensch jederzeit korrigierend eingreifen können. Er muss in der Lage sein, mit wechselnden Situationen fertig zu werden. Das verlangt völlig neue Ausbildungsstrukturen und Kernkompetenzen. Das ist eine der Konsequenzen, die die Podiumsdiskussion beim Auftakt-Workshop zum Forschungsprojekt „Wie verändert Digitalisierung die Arbeitswelt“ herausgearbeitet haben.
In zwei Impulsvorträgen hatten zuvor die beiden wissenschaftlichen Leiter des Forschungsprojekts – Prof. Dr. Annette Kluge (Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie an der Ruhr-Universität Bochum) und Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau (Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Prozesse und Systeme an der Universität Potsdam) – die Auswirkungen der Automatisierung auf die Struktur der Fertigungsprozesse und das menschliche Handeln hin beleuchtet. Das Forschungsvorhaben bietet mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit, sich mit eigenen Projekten zu beteiligen.
Untersucht werden soll dabei in praxisorientierten Projekten, wie die betriebliche Ausbildung modernisiert werden kann, um mehr ITK-Expertise in den Unternehmen aufzubauen. Hier herrscht deutlicher Nachholbedarf, wie jüngste Zahlen von Eurostat belegen. Danach sind zwar im Mittelstand (bis 250 Mitarbeiter) gut ein Viertel aller Unternehmen mit Lösungen wie ERP, CRM oder SCM ausgestattet. Doch nur in 17 Prozent der Firmen gibt es ausgewiesene ITK-Fachkräfte. Dabei sind gerade die Vorstellungen von den Möglichkeiten und Chancen der Automatisierung Voraussetzung für die Formulierung einer eigenständigen betrieblichen Digitalstrategie.
Umgekehrt sollen in den Forschungsprojekten auch Möglichkeiten erarbeitet werden, wie die Mitarbeiter bei der Transformation des Arbeitsumfelds mit eingebunden werden. Entscheidend für den Erfolg von Digitalstrategien und Automatisierungsvorhaben ist es, dass die Mitarbeiter mit ihrem Wissen über Prozesse und Methoden den Veränderungsprozess selbst mitgestalten können. Gleichzeitig soll aber auch untersucht werden, welche Einstiegsqualifikationen künftig von Mitarbeitern erwartet werden müssen, um die Umgestaltung der Arbeitswelt auch aktiv voranzutreiben. Dabei sollen auch Mindestvoraussetzungen für die unterschiedlichsten Arbeitstypen definiert werden. Einig waren sich die Teilnehmer des Workshops, dass der Faktor Mensch in deutschen Digitalisierungsprojekten deutlich stärker berücksichtigt wird als beispielsweise im englischsprachigen Raum oder in Asien.