AIZ 4.0: MEHR DIGITALISIERUNG WAGEN!

Es sei nicht genug, wenn sich nur 20 oder 30 Prozent der Bevölkerung für die Segnungen des Fortschritts begeisterten, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel als Teilnehmerin des Weltwirtschaftsforums in Davos. Sie sieht wie zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft eine wachsende Schere zwischen eine technisch-globale Elite auf der einen Seite und viele Gruppen von lokalen Frustrierten auf der anderen Seite. Tatsächlich bestätigt eine aktuelle Studie der ARD, dass jeder Dritte in Deutschland dem digitalen Wandel nicht nur skeptisch gegenübersteht, sondern sich auch überfordert fühlt. Interesse am Medium Internet, Schwierigkeiten mit der Technik und Sicherheitsbedenken sind demnach die Hauptgründe für die Zurückhaltung.
„Automatisierung und Digitalisierung sind Eckbausteine, wenn es darum geht, den Industriestandort Deutschland auf die digitale Zukunft vorzubereiten“, betont Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse und Systeme an der Universität Potsdam. „Deshalb müssen wir mehr Digitalisierung wagen!“ Das beginnt nicht nur bei verstärkten Anstrengungen der Politik beim Breitbandausbau und der Förderung von Digitalprojekten. Auch in den Unternehmen sei das Verständnis für Digitalstrategien noch nicht überall ausgebildet. Gleichzeitig würden aber die Kunden sowohl im B23B- als auch im Consumer-Bereich stärkere digitale Services verlangen.
Mit dem Anwendungszentrum Industrie 4.0 hat der Lehrstuhl deshalb eine Modellfabrik für Automatisierungs- und Digitalisierungs-Szenarien in Potsdam errichtet, in dem mittelständische Entscheider anhand von praxisnahen Exponaten neue Konzepte durchspielen können. Das Anwendungszentrum genießt inzwischen reges Interesse aus mittelständischen Unternehmen, die sich bei der Formulierung einer Digitalstrategie kompetente Beratung holen wollen. Auch aus dem europäischen Ausland und verstärkt aus China kommen Delegationen zu den Industrie 4.0-Experten auf den Campus der Universität Potsdam.
Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und dem Team des Anwendungszentrums Industrie 4.0 ist in drei Phasen strukturiert: In der ersten Phase werden im Sinne einer Ist-Aufnahme auf Basis von Gesprächen mit Mitarbeitern und Management im Betrieb Qualifizierungspläne und Lernzielvereinbarungen erstellt sowie ein Plan für die Durchführung von Sensibilisierungsmaßnahmen erarbeitet. In der darauffolgenden Phase erfolgt die Durchführung der Qualifizierungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen, auf Basis der identifizierten Bedürfnisse und den entsprechenden relevanten Lernmodulen sowie Modulbausteinen, so dass eine passgenaue Weiterbildung realisiert wird. Die praktische Durchführung kann sowohl von Seiten der zu schulenden Kompetenzen, ergebnisorientierten Lernszenarien oder den konkreten zu schulenden Inhalten geschehen. Dabei werden die Inhalte entweder praktisch im Labor oder aber theoretisch oder in Mischformen in Schulungsräumen vermittelt.
Mehr Informationen zum Anwendungszentrum Industrie 4.0 finden Sie hier: http://industrie40-live.de/
Einen kompletten Überblick über Automatisierungsprojekte können Entscheider kurzfristig am 15. und 16. Februar im Frankfurter Airport Sheraton Hotel und Conference Center erlangen. Der Fabriksoftware-Kongress, der vom Lehrstuhl unterstützt wird, gibt nicht nur einen aktuellen Überblick aus der Praxis, sondern zeigt mit dem Finale im Wettbewerb „Fabriksoftware des Jahres“ auch einen aktuellen Überblick über Lösungsangebote.